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Henning von Papen bald Rentner mit Nebenjob

Montag, 26. Februar 2018 10:30
Harald Koken

Henning von Papen wird sich nächsten Mittwoch (28. Februar) als Bundestrainer für die Mittel- und Langstrecke der Frauen in den Ruhestand verabschieden – nach 34-jähriger Tätigkeit für den DLV. Doch ganz aufs Altenteil zurückziehen möchte sich der 65-Jährige nicht. In Köln wird er weiterhin eine Trainingsgruppe betreuen, zu der unter anderem Hanna Klein und Anna Gehring gehören.

Die Nominierungsvorschläge für die Hallen-WM in Birmingham (Großbritannien; 1. bis 4. März) hat Henning von Papen noch mit Sebastian Weiß (TSV Bayer 04 Leverkusen) gemeinsam unterbreitet – was den gelungenen Stabwechsel vom Amtsinhaber auf den Nachfolger unterstreicht. „Offizielle letzte Amtshandlung“ – wie er es nennt - ist der Besuch der Deutschen U20-Hallenmeisterschaften am kommenden Wochenende (24./25. Februar) in Halle/Saale.

Aber ganz Schluss ist damit noch nicht. Denn der Neu-Rentner fliegt am 3. März mit ins Höhentrainingslager nach Flagstaff im US-Bundesstaat Arizona, an dem rund 40 Kaderathleten teilnehmen. „Der Übergang ist super, auch weil sich der DLV beizeiten auf einen Nachfolger festgelegt hat“, beurteilt der scheidende Bundestrainer die Situation. „Für Athleten und Trainer war früh klar, wie es weitergeht. Sebastian und ich konnten einige Zeit Hand in Hand arbeiten. Bei der Hallen-WM trägt er nun erstmals alleine die Verantwortung, wird die Aufgabe aber ganz gewiss optimal erfüllen.“

Starke Trainingsgruppe

Beim ASV Köln bleit Henning von Papen einstweilen Lauf-Trainer. „Die Arbeit an der Basis hat mir immer Spaß gemacht“, so die Begründung. Die Gruppe in der Domstadt ist jüngst gewachsen, etliche Leistungsträgerinnen sind hinzugekommen, zum Beispiel Hanna Klein (SG Schorndorf), bei der WM in London (Großbritannien) 1.500-Meter-Finalistin. Sie studiert in Köln Psychologie. „Hanna Klein kenne ich schon lange, nun bin ich im Prinzip das Auge ihres Heimtrainers Uwe Schneider“, erklärt der erfahrene Coach.

Auch mit Anna Gehring hat er als Bundestrainer schon länger zusammengearbeitet. Die U23-Vize-Europameisterin im Cross von 2016 hat im Oktober in Köln ein Medizinstudium aufgenommen und sich dem ASV Köln angeschlossen. Zur Gruppe gehören zudem zwei starke 800-Meter-Läuferinnen: Christina Zwirner hat ihren Lebensmittelpunkt nach Köln verlegt, Vera Hoffmann, die international für Luxemburg läuft, wurde bei der U23-EM Achte.

Wolf-Dieter Poschmann als Ziehvater

Mit der Leichtathletik begonnen hat Henning von Papen 1968 beim TV Bensberg. „Wolf-Dieter Poschmann hat mich zum Training mitgenommen, weil jemand für einen Mannschaftswettbewerb gesucht wurde“, beschreibt er die Anfänge. Mit Trainer Lutz Müller und Aushängeschild Brigitte Kraus erfolgte 1974 der Wechsel zum ASV Köln. Dort bestritt der 1.500-Meter-Spezialist auch sein schnellstes Rennen. Am 19.8.1979 blieben die Uhren im Müngersdorfer Stadion vor 30.000 Zuschauern bei 3:39,3 Minuten stehen.

Platzierungsmäßig lief es 1979 ebenfalls hervorragend: Dem Deutschen Hochschulmeister-Titel folgte der die Deutsche Vize-Meisterschaft mit der 4x1.500-Meter-Staffel. Insgesamt bedeutsamster Erfolg war das 1.500-Meter-Bronze 1978 bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Sindelfingen.

Berater von Thomas Wessinghage

Als sein Trainer Lutz Müller 1980 ins Scheichtum Katar wechselte, übernahm Henning von Papen beim ASV Köln dessen Job. Bei der Frage nach seinen größten Erfolgen als Klub-Coach übt er sich in Zurückhaltung: „Als Brigitte Kraus 1983 WM-Silber erkämpfte, wurde sie weiterhin von Lutz Müller aus der Ferne trainiert.“ Auch den 5.000-Meter-Europameister-Titel von Thomas Wessinghage 1982 in Athen (Griechenland) wolle er sich nicht auf seine Fahnen schreiben.

„Wir waren zunächst Trainingspartner, später habe ich ihm dann Zwischenzeiten zugerufen, ihn quasi betreut, aber ihm keine Trainingspläne geschrieben“, beschreibt Henning von Papen die Zusammenarbeit mit dem 22-fachen Deutschen Meister und deutschen 1.500-Meter-Rekordler, der heute Chefarzt, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer von drei Kliniken im Tegernseer Tal ist. „Wir haben allenfalls mal übers Training diskutiert, aber im Prinzip hat Thomas immer sein Ding gemacht“, so Henning von Papen.

Erst neben-, dann hauptamtlich beim DLV

1983 übernahm Henning von Papen nebenamtlich beim DLV die Funktion des Blocktrainers für den Mittelstrecken-Nachwuchs. 1985 ging er hauptamtlich zum DLV. Paul Schmidt beerbte er als Mittelstrecken-Bundestrainer der Männer. Später betreute er zeitweise auch die 5.000- und 10.000-Meter-Läufer, in den letzten Jahren die Mittel- und Langstrecklerinnen. „Das Zusammenwachsen hat unseren gesamten Rhythmus verändert“, bezeichnet er die Wiedervereinigung als „spannendstes Ereignis“.

Besonders im Gedächtnis verankert ist das 1.500-Meter-Finale bei der WM 1991 in Tokio (Japan), wo Hauke Fuhlbrügge (TSV Erfurt) kurz vor dem Ziel den schon über seinen dritten Platz jubelnden Jens-Peter Herold (SCC Berlin) überspurtete. In diese Epoche fielen auch die 5.000-Meter-Siege von Dieter Baumann (TSV Bayer 04 Leverkusen) 1992 bei Olympia in Barcelona (Spanien) und 1994 bei der EM in Helsinki (Finnland) sowie das EM-Bronze von Stephane Franke (Salamander Kornwestheim) über 10.000 Meter.

Henning von Papen wird nicht umhinkommen, seinem Alltag eine neue Struktur zu verleihen. Er gewinnt Zeit, weil die administrativen Aufgaben wegfallen. Die EM in Berlin werde er definitiv als Zuschauer auf der Tribüne erleben, die Tickets habe er bereits erworben. „Das sind ja im Prinzip meine Athletinnen, die da laufen. Ich habe den ganzen Weg dorthin mit begleitet. Und dann ist es angebracht, dass man es im Stadion live mit verfolgt und nicht vor dem Fernseher“, unterstreicht er die Absicht, ganz nah dran zu bleiben.